Lindenallee

Bäume scheinen unter allen Pflanzen die Edelsten
Novalis

Im Schlosspark von Oberwiederstedt steht eine Lindenallee. Die Eltern des Dichters, Erasmus von Hardenberg und Bernhardine Auguste geb. von Bölzig, pflanzten die Bäume zu ihrer Hochzeit im Jahr 1770. Sie sollten allen auf dem Gutshof arbeitenden Menschen Schatten spenden und Erholung gewähren. Fünf mehr als 240 Jahre alte Bäume haben die Nachkriegszeit überlebt. Die anderen wurden als Feuerholz geschlagen. 2008 konnten mit Hilfe von Baumpaten junge Winterlinden durch Veredelung aus dem alten Baumbestand gewonnen und an den Originalstandorten nachgepflanzt werden. Abgesehen von den alten Linden sind im Schlosspark weitere imposante Baumsolitäre zu finden.

"...am 1. Juli 1770 ward die Hochzeit in Wiederstedt gefeiert, am Nachmittag dieses Tages ließ er in dem Garten daselbst eine Allee von jungen Linden pflanzen, die heute seinen Urenkeln Schatten geben." (Sophie von Hardenberg, 1883)
 
Lindenalle im Schlosspark, Foto © Sabine Ullrich
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Eine geringe Anzahl der originalen Novalis-Linden vertreibt die Mitteldeutsche Baumschulen GmbH.

Die heimatliche Umgebung erscheint vielfach im poetischen Werk des Dichters. Auch die Linden verarbeitet er in einem Gedicht, aus dem die Sorge um seine erste Verlobte, Sophie von Kühn, spricht:

AN DIE LINDE

Holde, traute Linde,
Stets warst du mir gut,
Wenn beim Säuselwinde
Hier mein Körper ruht.

Wenn die Bienen summen
Und du duftend blühst,
Hummeln in dir brummen,
Du mich zu dir ziehst.

Oft sahst du mich heiter
Scherzen unter dir,
Aber heute, leider!
Bin ich traurig hier.

Du scheinst selbst zu klagen,
Wenn der West durchweht,
Und scheinst mich zu fragen,
Was mir übel geht.

Ach mein Mädchen kranket,
Mit mir meine Ruh,
Scheint, daß sie wanket
Ihrem Grabe zu.

Wenn sie sich erholet,
Komm ich sicherlich
Mit ihr hergetollet
Und besuche dich.

Novalis, HKA Bd.1, S.469.