Familie von Hardenberg

 

Vorfahren

Die Ursprünge der Familie von Hardenberg lassen sich ins 12. Jahrhundert und zur Burg Hardenberg bei Nörten in Niedersachsen zurückverfolgen. Stammsitz der Familie ist Schloss Nörten-Hardenberg.

1609  heiratet Catharina von Blankenburg Hans Christoph von Hardenberg (1581-1645) und bringt das Amt Oberwiederstedt mit in die Ehe.

Ihr Sohn Hildebrand Christoph von Hardenberg (1621-1682), Statthalter zu Braunschweig, heiratet Magdalena von Sehestedt und lässt Schloss Oberwiederstedt zu seiner heutigen Gestalt ausbauen. Drei der Söhne, Georg Anton, Christian Ludwig und Fritz Dietrich, begründen eigenständige Familienzweige, zwei gräfliche und eine freiherrliche.

Georg Anton von Hardenberg (1666-1721) und seine Frau Anna Dorothea, geb. zu Eltz (1672-1724), sind die Stammeltern der freiherrlichen Wiederstedter Linie, die Schloss Oberwiederstedt fortan als dauerhaften Wohnsitz nutzt. Sie sind die Urgroßeltern von Novalis. Zum Familienbesitz gehört seit 1727 auch das Rittergut Schlöben bei Jena.

 

Der Vater

Heinrich Ulrich Erasmus Freiherr von Hardenberg (1738-1814) wird im Schloss Oberwiederstedt geboren und besucht die angesehene Schule in Schulpforta. Er studiert Jura und Bergbau in Göttingen, schließt das Jura-Studium mit der Promotion ab und dient als Offizier in der Hannoverschen Legion. Als seine erste Frau kinderlos verstirbt, wendet sich der bis dato lebenshungrige junge Mann der Religion und dem Pietismus zu.

1776 verleiht ihm Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg den Titel des Ober-Amtshauptmanns. 1785 wird Erasmus von Hardenberg Direktor der kursächsischen Salinen zu Eisleben und 1789 erster Berghauptmann des neu gegründeten Bergamtes ebendort. Er gilt als sozialer Vorgesetzter, der sich stets um die Belange der einfachen Menschen kümmert und fördert begabte, aber mittellose Studenten und Wissenschaftler.

 

Die Mutter

Bernhardine Auguste Freifrau von Hardenberg, geb. von Bölzig (1749-1818), ist die zweite Ehefrau von Heinrich Ulrich Erasmus von Hardenberg. Georg Philipp Friedrich (Novalis) ist ihr zweites Kind und ihr ältester Sohn. Das Schicksal zeichnet die Mutter schwer. Sie bringt insgesamt elf Kinder zur Welt, von denen nur ihr Sohn Georg Anton sie überlebt. Novalis‘ Mutter ist von tiefer Frömmigkeit, feingeistig und hat ein poetisches Talent, das sie ihren Kindern vermitteln kann.

 

Die Geschwister

Novalis wächst mit 10 Geschwistern auf. Besonders nahe stehen ihm die jüngeren Brüder Erasmus (*1774) und Karl (*1776). Erasmus studiert wie Novalis Jura und stirbt bereits 1797. Im Jahr 1800 ertrinkt der 13-jährige Bruder Bernhard (*1787) in der Saale. Novalis selbst stirbt am 25. März 1801 an Tuberkulose. Die ältere Schwester Caroline (*1771), verheiratete von Rechenberg, bringt den Sohn Friedrich Erasmus zur Welt und stirbt kurz nach Novalis, am 14. April 1801 an den Folgen der Geburt. Die Schwester Sidonie (*1779) folgt schon am 17. November desselben Jahres. 1804 verstirbt auch die Schwester Auguste (*1783). 1813 folgt der Bruder Karl, Amtshauptmann und wie Novalis Dichter, 1814 die Geschwister Hans (*1790, preuß. Offizier und Landrat) und Amalie (*1793), 1816 der jüngste Bruder Christoph (*1794).

 

Der Bruder Georg Anton

Georg Anton Freiherr von Hardenberg (*1781-1825) besucht wie sein Vater die Schule in Schulpforta, wird Leutnant in der Leibgrenadiergarde in Dresden und 1809 erster königlich preußischer Landrat im neu gegründeten Mansfeldischen Gebirgskreis. Er heiratet 1808 Anna Margarethe geb. von Witzleben und konvertiert im selben Jahr zum katholischen Glauben. Auch Anton dichtet, und zwar unter dem Pseudonym Sylvester. Seine Tochter Sophie (1821-1898) verfasst die erste Biografie zu Novalis und wird zur Familienchronistin.

 

Der Onkel Großkreuz

Gottlob Friedrich Wilhelm Freiherr von Hardenberg (1728-1800) ist der ältere Bruder des Vaters und ab 1775 Statthalter und Landkomtur des Deutschen Ordens der Ballei Sachsen. Er wohnt auf Schloss Lucklum, im heutigen Landkreis Wolfenbüttel. Als die Mutter 1783 ernsthaft erkrankt, lebt Novalis für mehrere Monate in Lucklum bei seinem Onkel, den die Familie humorvoll Onkel "Großkreuz" nennt.

 

Karl August Fürst von Hardenberg

Die bekannteste Persönlichkeit der weitverzweigten Familie ist, abgesehen von Novalis, ein Urenkel von Hildebrand Christoph: Karl August von Hardenberg (1750-1822), Außenminister und Staatskanzler unter König Friedrich Wilhelm III. In den Befreiungskriegen und als Staatsreformer spielt von Hardenberg eine entscheidende Rolle, so dass ihn der preußische König am 3. Juli 1814 aus Dankbarkeit für seine Verdienste in den Fürstendstand erhebt und ihm das spätere Schloss Neuhardenberg in Brandenburg überträgt.

 

Carl Hans Graf von Hardenberg

Auf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg lebt viele Jahre später der Ururgroßneffe von Karl August von Hardenberg: Carl Hans Graf von Hardenberg (1891-1958), Sohn einer Großnichte des Dichters Novalis und Mitglied der Gruppe um das misslungene Hitler-Attentat am 20. Juli 1944.