Novalis und die Medizin im Kontext von Naturwissenschaften und Philosophie um 1800

Ausstellungsdauer: 4. Mai 2017 bis 30. Juni 2018


 
Foto: Christoph Sandig

Die Sonderschau präsentierte ein ganz unerwartetes Interessengebiet des romantischen Dichters: die Medizin. Diese war für den naturwissenschaftlich gebildeten Juristen und Ingenieur Friedrich von Hardenberg (Novalis) eine Disziplin, mit der er sich nach dem Abschluss der Freiberger naturwissenschaftlichen Studien und dem Übergang in die Berufspraxis ab 1798 befasste. Neben ganz praktischem (privatem und beruflichem) Interesse waren es vor allem die großen philosophischen Fragen, die gerade um 1800 durch neues Wissen belebt wurden und durch ihre Verbindung mit der Medizin auch für ihn eine besondere Bedeutung bekamen. So schlussfolgerte Novalis für sich auf der Suche nach Antworten zu grundlegenden Fragen nach Leben und Tod, nach dem Lebensbegriff, dem Verhältnis von Krankheit und Gesundsein, der Beschaffenheit und dem Sitz der Seele:
„Poesie ist die große Kunst der Construction der transscendentalen Gesundheit. Der Poet ist also der transscendentale Arzt.“ 
Durch das Zusammenspiel der Details von nur selten entleihbaren Exponaten aus Zoologie, Botanik und Anatomie konnten Assoziationen entstehen und sichtbar machen, wie nahe um 1800 die Sprache der Poesie und die der „Naturlehre“, respektive also der Wissenschaften durch ihre Analogiebildungen nach dem Vorbilde der Naturreiche waren.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.